März 22, 2021 Von admin Aus

Wie sicher sind Selbsttest & Schnelltests?

Inzwischen muss man nicht mehr unbedingt sofort ins Testzentrum, wenn man nicht sofort einen negativ bescheinigten Test braucht. Zumal momentan eine längere Wartezeit auf Termine zurechnen und eigentlich auch nur ein Test die Woche kostenfrei ist. Wer für sich und seine Liebsten oder im Büro auf Nummer sicher gehen will, kann auch daheim einen Corona-Test machen. Doch wie aussagekräftig sind die Tests?

Schnelltests von geschultem Personal, Selbsttests aus dem Einzelhandel:
Seit einigen Wochen können alle, die es wollen, ohne besonderen Anlass einen kostenlosen Schnelltest durchführen lassen, und feststellen ob sie mit dem Coronavirus infiziert sind und möglicherweise andere anstecken könnten. Das dauert in der Regel nicht länger als 15 bis 20 Minuten. Einen Antigen-Schnelltest pro Woche soll jeder Bürger gratis in Apotheken, Arztpraxen oder Testzentren machen lassen können, die Kosten dafür übernimmt der Bund.

Antigen-Tests suchen in Abstrichproben nicht nach Erbgut wie ein PCR-Test, sondern nach Molekülen, die charakteristisch für das Virus sind. Die Selbsttests aus Apotheken, Einzelhandel und Onlineshops sind dabei mit den Schnelltests identisch.

Anwendung bei Selbsttests besonders wichtig
Der Vorteil: Die Tests kann man zu Hause machen. Das Wattestäbchen muss dabei nicht ganz so tief in die Nase geschoben werden wie bei den herkömmlichen Verfahren. Das Robert Koch-Institut (RKI) verweist auf Studien, wonach bei richtiger Anleitung die Probenentnahme durch Privatpersonen und daraus resultierende Ergebnisse vergleichbar war mit der Entnahme durch medizinisches Personal. Unsachgemäße Abstriche können die Aussagekraft des Tests stark einschränken.

Sind Selbsttest, neben den Impfungen, der erhoffte Ausweg aus der Corona-Krise?
Für Lockerungen sind die laborunabhängigen Tests ein wichtiges Element in ihrer jüngst beschlossenen stufenweisen Strategie, den Lockdown je nach Infektionslage aufzuweichen.

Schnelltests mit geschultem medizinischem Personal werden bisher zum Beispiel vor dem Zutritt in Kliniken und Altenheimen gemacht.

Selbsttests mit negativem Ergebnis könnten mittelfristig etwa für den Besuch im Außenbereich eines Restaurants reichen, vorausgesetzt, die regionale Corona-Lage ließe dies zu.

Der Sinn hinter den schnellen Tests ist es neue Corona-Fälle frühzeitig erkennen. Denn der SARS-CoV-2-Erreger hat eine Eigenschaft, die die Pandemie-Bekämpfung erschwert: Infizierte können das Virus auch an andere weitergeben, wenn sie (noch) keine Symptome der Krankheit Covid-19 zeigen. Vor solchen Fällen sollen die Tests helfen zu schützen.

Wie zuverlässig sind die Ergebnisse der Schnellanalysen?
Studien zeigen, dass Antigen-Schnelltests prinzipiell weniger zuverlässig sind als die für die offizielle Corona-Statistik berücksichtigten PCR-Tests. Dabei sind zwei Werte bedeutend: die Sensitivität und die Spezifität. Die Spezifität gibt an, wie viele Nichtinfizierte korrekt ein negatives Ergebnis erhalten. Die Sensitivität wiederum gibt den Anteil der mit dem Virus Infizierten an, die tatsächlich korrekt ein positives Testergebnis erhalten.

Das Paul-Ehrlich-Institut hat Mindestanforderungen für Antigen-Tests festgelegt: Die Spezifität muss über 97 Prozent liegen, das heißt mindestens 97 von 100 Gesunden müssen als solche erkannt werden. Die Sensitivität soll größer als 80 sein, das heißt mindestens 80 von 100 Infizierten muss der Test erkennen. Bei allen Selbsttests, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bislang zugelassen hat, liegt die Spezifität den Herstellerangaben zufolge bei mindestens 98 Prozent. Es kann demnach in einigen Fällen zu falsch-positiven Ergebnissen kommen, was sich dann durch die unabdingbare Prüfung durch einen genaueren PCR-Test herausstellt.

Selbsttests weisen Sensitivität von rund 95 Prozent aus
Die Sensitivität liegt bei den bisher zugelassenen Selbsttests nach Herstellerangaben und BfArM-Stichproben bei gut 95 Prozent. Die Tests schlagen am besten bei einer höherer Viruslast an. Infizierte mit geringer Viruslast, etwa zu Beginn oder beim Abklingen der Erkrankung, werden möglicherweise nicht immer entdeckt.

Aussagekraft der Corona-Tests ist immer zeitlich begrenzt
Ein negatives Ergebnis im Schnelltest oder Selbsttest schließt eine Infektion nicht aus, wenn eine niedrige Viruslast vorliegt. Auch bei korrekter Durchführung sei es „lediglich weniger wahrscheinlich“, ansteckend zu sein.

Zudem sei die Aussagekraft zeitlich begrenzt, schon am nächsten Tag kann das Ergebnis anders sein. Daher ist ein negatives Ergebnis kein Freifahrtschein, die Corona-Regeln zu missachten.

Fehler beim Gebrauch der Tests können diese Werte noch merklich beeinflussen. Inwieweit die angegebenen Prozentzahlen auch unter Realbedingungen zutreffen, lässt sich derzeit kaum absehen. Erst die Erfahrung der kommenden Monate wird zeigen, wie groß die Probleme durch falsch-positive und falsch-negative Ergebnisse tatsächlich sind und auch, wie gut sich mit den Schnelltests die Pandemie in Schach halten lässt.

Wichtiger Hinweis: Eine 100 % Sicherheit gibt es nicht. Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Diese Inhalte dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Bei Fragen wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.